Inzwischen bin ich wieder ausgeschlafen, also kann es weiter gehen.
Über die Transferpolitik wurde in den letzten Wochen in Zusammenhang mit dem Diekmeierabgang ja stark diskutiert. Was leider manche vergessen aber eben grundlegend ist, sind nun mal die
Randbedingungen in denen sich ein Fußballverein bewegt. Bei unserem „Glubb“ ist das ja schon eine fast traditionelle
Finanznot. Allein die Ursachen dafür könnten wahrscheinlich schon ein ganzes Buch füllen. Deswegen lasse ich das Thema auch aus. Tatsache ist, dass der Verein vor dem letzten Abstieg schuldenfrei war und dies wohl zum ersten Mal seit es den Profifußball in Deutschland gibt. Auf jeden Fall das erste Mal seitdem ich mich mit diesem so liebenswerten Verein beschäftige. Und das ist schon eine ziemlich lange Zeit! Nach dem Abstieg hat man sich entschieden auf vorhanden Spieler zu Erstligakonditionen zu setzen, um sich so den direkten Wiederaufstieg zu erkaufen. Das hat auch funktioniert, wobei gerade die etablierten Spieler nicht immer die Leistungsträger waren. Dem Verein hat das dann einige Millionen Minus eingebracht. Im Gespräch sind da fünf bis acht. Ich will das gar nicht kritisieren, denn was wäre die Alternative gewesen? Hätte man die Mannschaft komplett umbauen sollen und damit Kosten reduzieren? Was, wenn wir dann den Aufstieg nicht geschafft hätten? Dann hätte es natürlich jeder hinterher wieder besser gewusst. Hätte aber auch funktionieren können. Nur wird man das nie erfahren, das ist alles hypothetisch. Also Schluss mit dieser Diskussion.
Der Schuldenstand hat dann aber auch den
Aufsichtsrat auf den Plan gerufen. Dieser hat dem Martin Bader dann die
Auflage gemacht,
Transferüberschüsse in Millionenhöhe zu erzielen, was dann ja bedeutet Spieler für mehr Geld zu verkaufen als einzukaufen. Dies kann man natürlich kritisieren. Eine andere Strategie wäre gewesen, zusätzlich zu investieren. Das birgt dann aber ein großes Risiko, wenn der sportliche Erfolg ausbleibt. Im Vergleich zu anderen Vereinen sind das zwar kleine Beträge über die wir hier reden, aber die Konkurrenz befindet sich oft auch in einer anderen Liquiditätssituation. Die laufenden Einnahmen aus Sponsoring oder Zuschauerbesuch sind wo anders also größer. Da kann man auch mal mit höheren Verbindlichkeiten leben. Deswegen denke ich, macht der Aufsichtsrat genau das was er tun soll: Er beaufsichtigt die Geschäftsführung und erteilt Weisungen. Ich habe diverse Lizenzierungsauflagen des DFB, Punktabzug und einen Abstieg in die dritte Liga miterlebt. Ich brauche das nicht mehr! Der Verein muss auf eine solide finanzielle Basis gestellt werden. Dazu wird der Sparkurs noch einige Jahre nötig sein.
Klar, dass dann
Spieler verkauft werden, wenn ein anderer Verein etwas Geld auf den Tisch legt.Der meistdiskutierte Transfer war der von Dennis Diekmeier zum HSV. Egal wie viel wir nun für ihn bekommen haben, ob 2 oder 2, 5 Millionen, der Martin Bader muss eben Spieler verkaufen. Er hat den Auftrag vom Aufsichtsrat.
Warum nun Diekmeier und nicht einen anderen? Warum für „nur“ 2 -2,5 Millionen? Welche Spieler waren und sind für andere Vereine interessant und bringen Geld? Da wären Pinola, Bunjaku und Gündogan. Pino ist ein erfahrener Führungsspieler, einer der besten Linksverteidiger, liebenswerter Hitzkopf und eine Integrationsfigur. Richtig, dass er gehalten wurde. Bunjaku der einzige, der den Titel Stürmer in der letzten Saison wirklich verdient hat. Gündogan ein riesiges Talent und einer der Offensivaktionen einleiten kann. Diekmeier ist auch ein großes Talent, aber von all den hier genannten derjenige, der wahrscheinlich am leichtesten zu ersetzen ist und deswegen sein Transfer die Mannschaft am wenigsten schwächt. Versteht mich nicht falsch, ich wollte den Dennis auch nicht hergeben, aber wir müssen leider verkaufen.
Ist Diekmeier verschleudert worden, oder arbeitet Bader gar für den HSV, wie man schon lesen konnte? In der Winterpause wurden ja 4,5 Millionen genannt, die Wolfsburg wohl bereit gewesen wäre zu bezahlen. Der Betrag stand dann ja auch bei transfermarkt.de. Wir alle wissen nicht,ob die Höhe stimmt. Genommen hätten wir das natürlich gerne. Hätten wir also im Winter schon verkaufen sollen? Ja, wenn uns einer garantiert hätte, dass wir nicht absteigen und der Preis wirklich den Tatsachen entsprochen hätte. Wahrscheinlich wäre der Martin Bader gevierteilt und am Flutlichtmast aufgeknüpft worden, wären wir abgestiegen und er hätte Diekmeier im Winter verkauft. Denn dann wäre es ja genau dieser Transfer gewesen, der dafür ursächlich war. Jetzt ist er natürlich der Verräter, weil es „nur“ 2,5 Millionen sind. Ist das zu wenig? Schwer zu sagen. Ich denke, der Martin Bader arbeitet schon für unseren „Glubb“ und wird schon das Maximum herausholen. Als Vergleich kann man ja Arne Friedrich heranziehen. Der wurde für 2 Millionen von Hertha nach Wolfsburg verkauft. Also eine halbe Million weniger für einen WM-Teilnehmer, der ein gutes Turnier gespielt hat, aber eben auch schon 31 ist. So gesehen, dürfte sich der Diekmeier-Preis wohl im Rahmen bewegen. Und eines sei noch gesagt, eine gute Saison hat Dennis objektiv gesehen nicht gespielt. Es waren ein paar sehr gute Spiele dabei, aber auch einige schlechte. Nicht ungewöhnlich für einen jungen Spieler, aber auch preisbestimmend neben dem fraglos vorhandenen Talent.
Ansonsten werden auch gerne die
Leihgeschäfte diskutiert. Auch diese sind Folge der finanziellen Situation. Ohne Zweifel haben uns Breno und Ottl letzte Saison die Klasse gesichert. Man hat also so die Möglichkeit an gute Spieler heranzukommen, denn 10 Millionen für einen Breno haben wir nicht und außerdem tun sich Spieler dieser Klasse nun mal schwer, fest zu Vereinen wie unserem „Rumreichen“ zu wechseln.Und diese beiden waren zunächst ja auch nur für die Rückrunde eingeplant.
Ich würde mir wünschen, wenn man
junge Spieler ausleiht, diese dann aber schon für zwei Jahre zu verpflichten oder ein Vorkaufsrecht zu verhandeln. Sonst verlassen Spieler gerade dann den Verein, wenn sie sich etabliert haben. Stefan Reinartz ist das beste Beispiel.
Im Großen und Ganzen können wir von diese Leihen auch profitieren. Spieler, die bei den Bayern oder bei Leverkusen auf der Bank sitzen würden, können bei uns Spielpraxis sammeln, uns weiterhelfen und das finanzielle Risiko bleibt bei dem verleihenden Verein. Diese haben oft viel Geld für diese Jungs bezahlt. Geld, das wir nicht haben.
Das
generelle Konzept, verstärkt auf die
Jugend zu setzen, halte ich für unabdingbar. Jeder Verein, egal, wie er finanziell aufgestellt ist, benötigt eine solide
Nachwuchsarbeit. Wir um so mehr, weil „wir haben ja kein Geld.“ Und so langsam zeigen sich auch die ersten Blüten. Junge Spieler wollen zu uns, weil sie sehen, dass sie hier eine Chance bekommen. Der Anteil der Leihgeschäfte wird im Lauf der Zeit sinken und damit können wir noch mehr Spielerwerte schaffen.
Ein paar Jahre werden wir so noch überstehen müssen, dann könnte das Konzept richtig aufgehen. Ein Abstieg wäre dem Ganzen natürlich nicht förderlich, kann aber nicht ausgeschlossen werden, denn auch diese Saison geht es einzig und allein um den Klassenerhalt.
Zumindest ist es bei uns immer spannend. In der einen oder anderen Weise!
In diesem Sinne!
Auf eine erfolgreiche Saison!